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Kaufladen 19. Jh.

Wie im wirklichen Leben

Eltern schenken ihren Kindern Kaufläden und
Puppenstuben mit Wohnzimmer, Schlafzimmer und
Küche. Im kleinem Format spielen Kinder nach, was
sie lebensgroß und lebensnah selbst erleben. Wie die
Mutter die Kinder ermahnt, so mahnt die Puppenmutter
die Puppenkinder. Wie im wirklichen Leben wird gekocht,
der Tisch gedeckt, gegessen, gespielt, die (Puppen-)kinder
ins Bett gebracht, gewickelt und neu angezogen.

Im 19. Jh. zeigen Puppenstuben v.a. den häuslichen
Lebensraum des Bürgertums, zeittypische Wohnungs-
und Ladeneinrichtungen, Kleidermoden und Gegenstände
des alltäglichen Lebens.
Die Puppenküche war nicht nur Spielzeug, sondern
hatte auch Erziehungsfunktion. Im Spiel sollte gelernt werden,
was zu einem standesgemäßen Haushalt und zu dessen
Führung gehörte. Mädchen wurden von klein auf
mit ihren Aufgaben und Pflichten als erwachsene Frauen
vertraut gemacht und auf ihre spätere Rolle
in der Familie vorbereitet.

Das Spiel mit Puppenstuben war im wesentlichen Kindern
aus den vermögenden Bürgertum vorbehalten.
Um 1900 besaßen nur 20 % aller Kinder in Deutschland
gekauftes Spielzeug von höherer Qualität.
Puppenstuben waren bis ins 19. Jh. handwerklich
gefertigte Einzelstücke. Sie wurden beim Schreiner
in Auftrag gegeben oder selbst gemacht.
In einer Zeit, in der es noch keine Kunststoffe gab,
war auch das Inventar der Puppenküchen weitgehend
materialecht, d.h. wir finden mundgeblasene Gläser
und Kronleuchter, Wachskerzen, echte Hölzer bei den Möbeln,
Geschirr aus Ton, Porzellan, Zinn, Kupfer, Spitzen- und
Satinvorhänge, Samtbezüge und Leinenwäsche.