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Marburger aufgelegte Ware und Hafnerware aus Mittelfranken

Markenschwindel

Markenschwindel ist nicht ein Phänomen unserer Zeit.
Schon immer wurden kostbare oder allgemein
begehrte Objekte gefälscht, aus unterschiedlichsten Gründen.

Objekte der Begehrlichkeit waren auch die um 1800
in Marburg an der Lahn hergestellten Töpferwaren,
die in ganz Süddeutschland verkauft wurden.
Das Markenzeichen der Marburger „aufgelegte Ware“
sind Blüten, Blätter, Vögel und andere Motive, die nicht
aufgemalt, sondern als Reliefauflagen appliziert wurden.
Die Motive wurden mit den Händen aus dem in der Masse
durchgefärbtem Ton modelliert und mit kleinen Formstempeln
behandelt.
Als Farbgrund benutzte man Orange und Dunkelbraun,
wobei die Farbzonen durch aufgemalte Punktreihen
voneinander abgesetzt wurden.

Die Marburger Ware war weithin geschätzt und beliebt.
Aus diesem Grund wurde sie wohl in einer mittelfränkischen
Werkstatt kopiert. Der fränkische Hafner versprach sich
sicheren Absatz für seine Produkte, die er in der Form
und im allgemeinen Dekor der Marburger Ware anglich.
Er verzichtete allerdings auf die Reliefauflagen und
bemalte seine Stücke ausschließlich mit dem Malhörnchen.

Schein und Sein liegen nahe beieinander – auch heute noch.
Das Kopieren teurer Markenartikel wurde ein profitabler
Industriezweig. Billige Rolex-, Lacoste- oder Nike-Imitate
sind in manchen Kreisen beliebte Souvenirs aus dem Urlaub.