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Lebensbaumkruzifix, Ton glasiert, Weißenburg 1844, Hafnermeister Johann Michael Abel

Kreuz

Das 35 cm hohe Kreuz ist ein Werk des Hafnermeisters
Johann Michael Abel aus Weißenburg. Aus Ton modelliert
und farbig glasiert, zeigt es eine expressive Darstellung
des Gekreuzigten: seinen vom Leid gezeichneten Körper,
den Kopf im Tod auf die Schulter gesunken. Das Kreuz
ist ein Lebensbaum, dessen Äste sich rankenartig einrollen,
Blattwerk fehlt.

Ganz allgemein galt der Laub abwerfende und wieder
grünende Baum als ein Sinnbild für Auferstehung
und Überwindung des Todes. Das Holz der Eiche
(durch die Eichel oben in der Baumkrone angedeutet)
galt als unverweslich, weshalb dieser Baum zu einem
Ewigkeitssymbol wurde.

Die heilsgeschichtliche Dimension der Darstellung
erschließt sich, wenn der typologischen Ansatz der
mittelalterlichen Theologen mit einbezogen wird.
Die Typologie ist eine Deutungsweise, in der Altes und
Neues Testament sinnvoll aufeinander bezogene Teile
des Heilsplanes Gottes sind. Personen und Begebenheiten
des Alten Testaments finden ihre Entsprechung und
heilsgeschichtliche Vollendung in Personen und
Begebenheiten des Neuen Testaments.

Das Kreuz als Baum des Lebens ist das Gegenstück
zum der Baumes der Erkenntnis. Jesus ist der neue Adam
(1 Kor 15,21; Röm 5,12). Wie durch die Sünde Adams
(weil er die Frucht vom Baum der Erkenntnis aß) Verderben
und Tod in die Welt kam, so erwirkt Jesus Christus durch
seinen Opfertod die Auferstehung und das ewige Leben.
Das Kreuz ist Holz des Todes und Lignum Vitae: Der sich
selbst am Kreuz Opfernde wird zur Frucht des Heils,
hervorgebracht am Baum des Lebens.

Weitere Quellen zum Lebensbaum finden wir in der
Kreuzeshymne des Venantius Fortunatus (6.Jh.).

Eine mittelalterliche Legende erzählt, dass das Kreuz Christi
aus dem Stamm des Baumes der Erkenntnis gezimmert sei.
Der durch die Schuld des ersten Adam verdorrte Lebensbaum
begann durch das Opfer Christi, des zweiten Adam
wieder Früchte zu tragen.

Darstellungen des Lebensbaumes mit Blättern und Früchten
(crux florida) gibt es in der Kunst vom 5. Jh. an bis zur Gegenwart.