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Birnkrug, Fayence, Hanau 1720

Gewalt gegen Frauen?

Grober Streit als Haferlzier? Man wundert sich,
dass Frau oder Magd den Krug nicht versehentlich zu Boden
fallen ließen, die Scherben in den Abfall entsorgten und
den schlagenden Mann in die ewige Vergänglichkeit schickten.

Die handgreifliche Szene stellt das sogenannte „Frisch-
und Gsundschlagen“ dar, ein Zweigsegen bzw. ein Brauch,
der früher nachweislich auch im Raum Ansbach an
bestimmten Tagen im Jahr (z.B. Neujahr, Dreikönig) geübt wurde.
Mit dem Ruf „Frisch und gsund!“ wurden Mädchen von Burschen,
Mägde von Knechten, Erwachsene von Kindern mit einer Rute
von Birken, Wacholder oder Eberesche gepeitscht.
Nach der Volksmeinung übermittelten die Zweige Wachstum,
Fruchtbarkeit, Kraft, Gesundheit, Segen und Glück.
Das glückbringende Schlagen wurde erwidert mit einem Geschenk
von Pfeffernüssen und Pfefferlesbranntwein.