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Krug und Birnkrug, Fayence, Crailsheim, um 1820

Starke Sprüche im Fränkischen Museum

"Volksweisheit" ist von der Volkskunst kaum zu trennen.
Sie verdichtet sich in Sinnsprüchen und Zweizeilern,
die in großer Zahl Teller, Schüsseln, Krüge, Kannen,
Schnapsflaschen, Liebesbriefe, Wiegen, Schränke
und Haushaltsgeräte schmücken.
Sinn und Unsinn in Reimform gebracht, die Botschaft eindeutig,
oft zweideutig, so sind im Fränkischen Museum knapp
300 Sprüche zu finden. Besonders häufig liest man sie
auf Tellern und Schüsseln der Fayencemanufakturen Ansbach,
Crailsheim und Schrezheim. Unter jungen Leuten und Brautpaaren
wurden die Spruchteller als Liebesgaben verschenkt,
ähnlich wie heute Lebkuchenherzen.

Sprüche haben eine uralte Tradition. Die Sprüche Salomos
aus der Bibel wurden immer wieder neu aufgelegt.
Martin Luther prägte starke Sprüche über Weiber, Fürsten,
Pfaffen. Aus dem 17. Jahrhundert haben sich Sammlungen
mit 20.000 Sprüchen und Sprichwörtern aller Art erhalten.
Noch vor zwei Generationen wurde Gereimtes „aus der guten
alten Zeit“ massenhaft auf Handtücher und Bänder gestickt.
In der Gegenwart begegnen Sprüche auf deutschen Toiletten.
Graffiti spiegeln Sprüche aus der Szene.


"Ich fiehle Triebe
Ich mein es ist die Liebe."

    "Ich lieb was fein ist
    Ob's schon nicht mein ist."

"Solche Jungfern sind gut lieben
Die auch lieb entgegenschieben."

    "Ach wenn doch Liesgen wüßte,
    wie gern ich heute küßte."

"Mein Liebling von der besten Art
Küßt sanft, denn er küßt ohne Bart."

    "Wenn ich könnt ein Vogel sein,
    dann nistet ich in Dich hinein."

"Salomon der Weise spricht,
traue keiner Jungfrau nicht."

    "Ich bin jung mein Mann ist alt
    Ich bin warm und er ist kalt."

"Es ist wahr was Plato spricht,
alte Liebe rostet nicht."

    "Das Bier ist gut,
    der Wein macht Mut."

"Ist das nicht eine große Plage,
wenn der Mann säuft alle Tage."

    "Lieber viel mit G’nuß,
    als wenig mit Verdruß."

"Immer wirds schlimmer,
besser wirds nimmer."

    "Ich bin ein Vogel aller Ding,
    des Brod ich ess des Lied ich sing."

„Tut nicht Paulus Spruch vergessen,
wer nicht arbeit soll nicht essen."