Die vierte und letzte Sonderausstellung des jahreszeitlichen Reigens mit Bildmotiven, die von Künstlicher Intelligenz (KI) erstellt worden sind, greift den Sommer auf. Nach den Ausstellungen "Herbst in KI" , "Winter in KI" und "Frühling in KI" geben auch diese Werke einen Einblick in die erstaunlichen Fortschritte der künstlichen Bildwelten. Gezeigt werden Mischformen verschiedener Stile, wie sich "die KI" Sommermotive vorstellt.Die Sonderausstellung soll Gelegenheit geben, Stimmigkeiten und Unstimmigkeiten der Bilder zu erspüren und darüber hinaus die "Blackbox Kunst?!" am Verständnisansatz des berühmten Museumsdirektors Alexander Dorner zu entdecken. Die Ausstellung öffnete am 31. Mai 2025 ihre Pforten und ist bis zum 21. September 2025 zu den Öffnungszeiten des Museums zu besichtigen. Der Eintritt in die Sonderausstellung ist kostenfrei.
Die KI-generierten Bildwelten der Sommerausstellung entwerfen unterschiedlichste Zugänge zur wärmsten und vielleicht symbolträchtigsten aller Jahreszeiten.
Mal erscheint der Sommer als abstrahierte Farbfeldkomposition in leuchtendem Gelb, Orange oder Türkis – grafisch, rhythmisch, fast meditativ. Dann wieder begegnet er uns in Gestalt von ruhenden Figuren am Meer, von Frauen im Licht, vom archaisch wirkenden Ritual des Badens – eindrucksvoll reduziert auf Silhouetten oder naturalistisch eingefangen in feinsten Nuancen von Haut, Schatten und Sonnenstrahl. Andere Werke überhöhen den Sommer bewusst: spiegelnde Sonnenbrillen, gestylte Gesichter, geometrische Formen – fast ikonografisch und zugleich ironisch gebrochen.
Sommer wird hier nicht bloß als Landschaft verstanden, sondern als Zustand, als Projektionsfläche, als kulturelle Konstruktion. Alle ausgestellten Bilder eint ihr Ursprung: Sie wurden vollständig durch künstliche Intelligenz "erschaffen" – trainiert nach menschlichen Vorbildern und einem scheinbaren Verständnis für Form, Farbe, Symbolik und Atmosphäre.
Die vierte KI-Ausstellung macht damit nicht nur das Thema Sommer sichtbar, sondern auch das Potenzial und die Risiken maschineller Kreativität. „Sommer in KI“ lädt dazu ein, Vorstellungen von Natur, Schönheit und künstlerischem Ausdruck neu zu hinterfragen.
Noch bis zum 31. August 2025 ist im Fränkischen Museum Feuchtwangen die Sonderausstellung „Sommer in KI“ zu sehen. Sie schließt eine Ausstellungsreihe ab, die seit September 2024 das alte Thema der Jahreszeiten auf eine völlig neue Weise interpretiert – mit Bildern, die nicht von Menschenhand gemalt wurden, sondern von Künstlicher Intelligenz (KI) erschaffen sind. Bereits im vergangenen Herbst begann dieser Zyklus mit „Herbst in KI“, gefolgt von „Winter in KI“ und „Frühling in KI“. Nun also der Sommer – der letzte Teil dieser Reise, bevor die Reihe ihren Abschluss findet.
Die gezeigten Werke sind großformatige Drucke, die mithilfe der Bild-KI Midjourney entstanden sind. Ihre erklärenden Katalogtexte stammen von ChatGPT. Interessant ist, wie sich schon in dieser kurzen Zeit die Möglichkeiten und die Arbeitsweise der beteiligten Technologien verändert haben. Während bei der Herbstausstellung 2024 die Bilder noch einzeln und sehr detailliert von Hand beschrieben werden mussten, um der KI die Grundlage für eine „kunsthistorische Deutung“ zu liefern, reichte bei der Winterausstellung bereits ein einfaches Foto, das die Maschine dann selbstständig analysierte. So lässt sich in den vier Ausstellungen nicht nur ein künstlerischer, sondern auch ein technischer Fortschritt beobachten.
Die Motive selbst sind so vielfältig wie die Malerei, die sie zitieren und neu zusammensetzen: naturgetreue Landschaften mit leuchtenden Farben, abstrakte Kompositionen mit ungewohnten Formen, fantasievolle Mischungen aus Stilen, die in der realen Kunstgeschichte nie zusammengefunden hätten. Jedes Bild lädt zum genauen Hinsehen ein – und genau das ist auch ein Ziel der Ausstellung. Manche Szenen wirken sofort stimmig, beinahe vertraut, andere lassen den Blick stolpern und werfen Fragen auf. Wo hört die echte, von Menschen geschaffene Erfahrung auf, und wo beginnt die rein rechnerische Projektion einer Maschine?
Damit verbunden ist eine der drängendsten Fragen unserer Zeit: Welche Rolle wird der Mensch im schöpferischen Prozess künftig einnehmen, wenn Maschinen nicht nur Werkzeuge, sondern auch eigenständig „kreativ“ werden? Die künstliche Intelligenz erschafft ihre Bilder aus unzähligen Vorlagen, die sie zuvor „gesehen“ hat. Sie setzt Bekanntes neu zusammen, verfügt aber weder über eigenes Erleben noch über Gefühle. Ihre „Kreativität“ ist in Wahrheit eine neuartige Form des Nachahmens. Daraus erwächst eine Gefahr: Seltene oder besonders mutige Ausdrucksformen, die im Material der KI kaum vertreten sind, können mit der Zeit unsichtbar werden. Experimentierfreude, Brüche und Überraschungen – all das, was menschliche Kunst oft ausmacht – könnte verloren gehen.
Einen besonderen Blickwinkel bietet der Ausstellungsteil „Blackbox Kunst?!“. Hier wird an die Gedanken des Kunsthistorikers Alexander Dorner angeknüpft, der Kunst nicht als starres Werk verstand, sondern als etwas Lebendiges, das sich ständig wandelt – geformt von den Kräften seiner Zeit, von persönlichen Erfahrungen, von gesellschaftlichen Veränderungen. Dorner sprach von der „Selbstveränderung der Kunst“ und meinte damit, dass Kunst nie abgeschlossen ist, sondern stets neue Formen hervorbringt. Unter diesem Blickwinkel wäre die Vorstellung, dass Maschinen Kunst erzeugen, für ihn wohl schwer vorstellbar gewesen. Denn Dorners Kunstbegriff lebt von Subjektivität und innerem Erleben, von Brüchen, Zweifeln und Emotionen. Die KI dagegen kennt keine eigenen Gedanken, keine inneren Widersprüche, keine Freude oder Trauer. Sie kann Muster erkennen, Regeln ableiten und Neues daraus zusammensetzen – aber sie kann nicht wirklich etwas erfinden, das nicht auf Gelerntem beruht.
Die Ausstellung wurde von Stadtmarketingleiter und Interimsmuseumsleiter Dr. Reinhard Reck erstellt und umgesetzt. Ihm ging es nicht allein darum, ansprechende Bilder zu präsentieren. Er wollte auch vor Ort eine Diskussion anstoßen – darüber, welche Folgen die rasante Entwicklung der künstlichen Intelligenz für unsere Gesellschaft haben könnte. Jahrzehntelang betraf technische Automatisierung vor allem körperliche Arbeit. Roboter in der Industrie, Maschinen in der Landwirtschaft, Automaten in der Fertigung – sie veränderten Berufe, machten manche Tätigkeiten überflüssig. Viele Menschen in geistigen Berufen fühlten sich davon unberührt und glaubten, ihre Arbeit sei sicher vor Maschinen. Die aktuellen Entwicklungen stellen dieses Selbstbild infrage. Künstliche Intelligenz kann Texte schreiben, Bilder malen, Musik komponieren, Daten auswerten – und das oft in einer Geschwindigkeit und mit einer Präzision, die überrascht.
Diese Veränderungen können weitreichende Folgen haben, nicht nur für einzelne Branchen, sondern auch für das wirtschaftliche und kulturelle Leben einer ganzen Gesellschaft. Wenn sich Berufsbilder wandeln oder verschwinden, betrifft das auch die Strukturen vor Ort: Schulen müssen andere Inhalte und Kompetenzen vermitteln, Unternehmen sich neu aufstellen, Städte neue Wege finden, um mit den Veränderungen umzugehen. All dies sind Themen, die in Führungen durch die Ausstellung zur Sprache kamen. Besucherinnen und Besucher wurden ermutigt, über Chancen und Risiken nachzudenken, die mit dieser Technologie einhergehen.
Besondere Aufmerksamkeit verdient auch ein weiterer Aspekt: Die Antworten und Ergebnisse von KI sind nicht immer zuverlässig. Selbst wenn sie überzeugend wirken, können sie falsch sein oder Inhalte frei erfinden. Fachleute nennen das „Halluzination“. Wer die Ergebnisse einer KI nutzen will, braucht daher selbst ein gutes Allgemeinwissen, um sie prüfen zu können. Gute Bildung und Medienkompetenz ist und bleibt so eine Schlüsselqualifikation – nicht nur für Fachleute, sondern für alle.
„Sommer in KI“ ist damit nicht nur eine Bilderausstellung, die in ansprechenden Motiven den Sommer darstellt. Sie ist auch ein Spiegel der Gegenwart, in dem sich technische Entwicklung, künstlerische Fragen und gesellschaftliche Debatten bündeln. Sie macht sichtbar, wie schnell sich die Möglichkeiten der KI verändern, und sie stellt Fragen, die weit über das Museum hinausreichen. Wer die Ausstellung besucht, sieht daher nicht nur, wie Maschinen den Sommer „sehen“, sondern wird auch dazu angeregt, über das eigene Bild von Kreativität, über die Verantwortung des Menschen im schöpferischen Prozess und über den Einfluss neuer Technologien auf unser Leben nachzudenken. Die Gelegenheit dazu besteht noch bis Ende August – und es lohnt sich, sie zu nutzen.
Das Fränkische Museum Feuchtwangen hat von Dienstag bis Freitag von 14 bis 20 Uhr geöffnet und am Samstag und Sonntag von 11 bis 20 Uhr. Der Eintritt in die Sonderausstellung ist kostenfrei.
Museumstraße 19 - 91555 Feuchtwangen - Telefon (0 98 52) 25 75 - info@fraenkisches-museum.de




